Quamplus

Wie wäre es heute Abend mit Virtu teramane – einer Minestrone aus vierzig verschiedenen Wildkräutern, Gemüsesorten und Hülsenfrüchten?

Vorher würden uns vielleicht ein paar Kleinigkeiten Appetit machen: Salamelle fegato – Salamistückchen aus Schweinsleber, Honig, Zitronenschalen und Mosto Cotto (Traubenmost) oder gar Carpaccio di bufaletta – vom Jungbüffel also mit gehobelter weißer Trüffel?

Sollten wir dann das Menü nicht unbedingt mit Carrati con sugo di pecora, Ravioli mit Ziegenmilchricotta und Tüffeln, und Farotto, einem eher leichten Dinkelrisotto mit Wildgemüsen aus den Bergen fortsetzen?

Vielleicht haben wir dann ja immer noch Hunger und nähmen zum Hauptgang Marro, eine Roulade mit Lamminnereien, die schon die alten Römer so gegessen haben sollen? Wenn wir es bei einem leichten Coniglio in porchetta, Kaninchen in einer Sauce aus Spinat, Nüssen und Apfelessig beließen, könnten wir dann mit einem Nachtisch wie Scrucchjata – einem Mürbeteigkuchen mit Monepulcianatrauben – unter Umständen sogar satt werden?
Schade, dass wir nur in einem Buch blättern ....

All das gibt es als (buchstäblich) lokale Spezialität nur noch in den Locanden, Trattorien oder Osterien der Abruzzen.
Und diese finden wir – genau wie über 1700 weitere Gasthäuser des alten Stils, der Qualität regionaler Produkte und des heimischen Herdes in allen Provinzen Italiens – in dem 1000-Seiten-Werk „Osterie d’Italia 2007/08“ (Hallwag, 2007, 29.90 €), dem nach unserer Meinung wichtigsten Buch, das man in Italien dabei haben sollte, falls Hunger und Durst nach traditioneller italienischer Alltagskultur gestillt sein wollen.

Ganz nebenbei finden wir damit nicht nur Wege in die Seitengassen und alten Wohnquartiere der italienischen Städte, sondern auch in einsame Dörfer und Weiler in den verstecktesten Winkeln, Bergen und Buchten Italiens abseits aller Touristenpfade.

Und was auch noch erfreulich ist: Qualität muss nicht teuer sein – die Preise für ein solches Menü enden in der Regel bei 30€, einschließlich eines immer verlässlichen Vino locale versteht sich.

„Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen“
(Mahatma Gandhi)

Mainz-Plakat